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++++ Samstag 17.2. Zwei Demos gegen Ittner +++

Am Samstag wird es mehrere Möglichkeiten für Protest geben: Da Ittner vermutlich durch die Altstadt laufen will, gibt es von uns als Dresden Nazifrei noch eine Zweite Demo. Start ist 14:00 Uhr am Postplatz. Es gibt aber zudem auch die Möglichkeit bei HOPE – fight racism ab 12:30 Uhr am Albertplatz dabei zu sein Rechte Hetze nicht unwidersprochen lassen!Beides Zwei gute Angebote für alle, am Samstag euren Protest kund zu tun. Wir sehen uns auf der Straße!

Gerhard Ittner ist verurteilter Holocuastleugner und versucht natürlich dies, in den Opfermythos um Dresden und den Bombenangriff von 1945 einzubetten. Daher ist als Titel das „Gedenken an die Aufdeckung der Wehrsportgruppe Hengst“ gewählt worden, denn der 13.2. ist in vielerlei Hinsicht ein historisch wichtiges Datum.

Die ‚Wehrsportgruppe Hengst‘ war eine der ersten rechtsterroristischen Gruppen innerhalb der BRD unter der Führung von Bernd Hengst. Sie plante Attentate unter anderem auf den damaligen SPD-Vorstand und wurde durch Zufall bei einer Verkehrskontrolle am 13.2.1971 aufgedeckt.

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+++ 13.02. AfD entgegenstellen +++ Treff 18:30 Uhr Altmarkt +++

Wir rufen dazu auf sich morgen am Protest der Gruppe HOPE – fight racism zu beteiligen! Die AfD will wieder ihre Kranzniederlegung durchführen und es wäre schön, wenn ihr ihnen, wie in den letzten Jahren auch, lautstark sagt, was ihr davon haltet 😉

Zudem wird es am Steigenberger Hotel auf dem Neumarkt schon ab 18 Uhr die Mahnwache „Wir sind verantwortlich dafür, dass es nicht wieder passiert“ der Gruppe Nationalismus raus aus den Köpfen geben. Da befindet ihr euch gleich in der Nähe der Heidenauer Wellenlänge, der laut DNN aktuell nach Gerichtsbeschluss der Bereich Frauenstraße/Moritzgasse zugewiesen wurde. Diese größenwahnsinnige, rechtsradikale Splittergruppe wollte es tatsächlich durchsetzten, dass sie den gesamten Neumarkt für sich allein bekommt.

Ansonsten sind einzelne Aktionen verschiedener Gruppen nicht auszuschließen wie z.B. am Vormittag auf dem Heidefriedhof. Haltet euch auf Twitter über die Hashtags #blockDD und #DD1302 auf dem Laufenden.

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Fazit vom Demonstrationsgeschehen am 10.02.2018

Nach einem langen Tag hier unser Fazit vom gestrigen Tag:

Zuerst wollen wir Danke sagen. Danke an die Menschen, die mit uns auf der Straße waren, Danke an die Sanitäter*innen und Ordner*innen, Anmelder*innen, den Studierenden der ehs, die den Mahngang konzipiert und vorbereitet haben, Danke an die Menschen, die uns in der Kälte mit Tee und Suppe warm gehalten haben, und ein Riesendankeschön auch an die Studierenden der StuRa-Gruppe WHAT, die nicht nur am gestrigen Tag selbst, sondern auch in der Vorbereitung auf den 10. Februar krass Arbeit weggetragen haben.

Weiterhin ist festzuhalten: Die Freien Kräfte um Maik Müller haben an einem de facto belanglosen Datum eine Route ohne jeden Symbolgehalt durch ein x-beliebiges Wohnviertel Dresdens durchgeführt. Trotz des mittlerweile üblichen Katz-und-Maus-Spiels um Datum und Route waren beides im Vorfeld bekannt geworden. Der „Trauermarsch“ von Maik Müller ist seit Jahren einem Selbstbespaßungsevent der lokalen Strukturen geworden und kann sich davon offenbar auch nicht lösen.

Damit ist das Positive dann auch schon gesagt. Ansonsten:

Genau genommen gab es gestern zwei Nazidemos: Eine in Reick, eine in der Innenstadt. Zusammen waren gestern damit ca. 1000 Nazis auf der Straße. Gegenprotest gab es lediglich bei der Demo von Maik Müller – zeitgleich konnten 500 Nazis in der Innenstadt weitgehend unbehelligt ihren rassistischen Kram verbreiten. Insgesamt schlossen sich ca. 800 Gegendemonstrant*innen den Protesten an; bei über 1000 Polizist*innen waren lediglich an vereinzelten Stellen kleinere Blockaden möglich.

Dass am 10. Februar die Junge Alternative/AfD eine Demo veranstaltet, am 13.2. auf dem Neumarkt eine Kranzniederlegung und am 14.2. in Pirna einen politischen Aschermittwoch mit u.a. Bernd Höcke durchführen will, zeigt zweierlei: Es offenbart, wie bewusst die AfD den Schulterschluss zu radikalen Nazistrukturen sucht, und:  Der Gedenkzirkus um Dresden ist keinesfalls überwunden, sondern „feiert“ seit nunmehr zwei Jahren sein Comeback. Bei der Abschlusskundgebung vom Trauermarsch hatte man wiederum das Gefühl auf einer PEGIDA-Kundgebung zu stehen, mit viel Gefasel vom „Europa der Völker“.

Nach 20 Jahren Naziaufmärsche am 13. Februar in Dresden ähnelt die heutige die Situation dem Anfang der 2000er Jahre: Eine vierstellige Anzahl von Nazis läuft fast ungestört durch Dresden – und bis auf wenige hundert Gegendemonstrant*innen ignoriert die Stadt das Problem. Zwar gibt es mittlerweile eine AG 13. Februar, die auch einen Demo-Punkt angemeldet hat, doch bewirbt sie diesen nicht – und es ist kein Interesse der Stadtgesellschaft erkennbar, sich gegen Nazis zu wehren. OB Hilbert war einer von den Vielen, die gestern nicht mit auf der Straße waren.

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Eine ganze Woche Naziveranstaltungen – der 10.-17.2. im Überblick

Dresden steht in diesem Jahr eine ganz Woche voller Naziveranstaltungen bevor. Nach derzeitgem Recherstand stehen folgende Veranstaltungen vorraus:

  • 10.2. „Fackelmarsch“ Umfeld um Maik Müller, anschließend eine Saalveranstaltung mit Günter Deckert
    • nachmittag Fackelmarsch, Innenstadtbereich
    • Zeit und Ort Saalveranstaltung unbekannt
  • 10.2. Junge Alternative, Wiener Platz
    • Thema: Kriminalität Hauptbahnhof
  • 13.2. Kranzniederlegung der AfD/JA am Altmarkt, 19 Uhr
  • 14.2. Politscher Aschermittwoch  AfD (KV Sächsische Schweiz Osterzgebirge) kündigt eine „politische Aschermittwoch“-Veranstaltung im Raum Pirna mit Bernd Höcke, André Poggenburg und Andreas Kalbitz, sowie Jürgen Elsässer an
    • Zeit und Ort unbekannt
  • 17.2. Aufmarsch Nazi und Holocaustleugner Gerhard Ittner, Postplatz, 14 UHr

Dies sind die bisherigen bekannten Veranstaltungen. Wir werden uns dementsprechend auf eine komplette Aktionswoche einstellen. Der Täterspurenmahngang wird trotzdem zunächst 14 Uhr stattfinden.

In disem Sinne: haltet euch weiterhin auf dem laufenden. Wir werden regelmäßig über unsere Aktionen informieren!

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Täterspurenmahngang 10.2.2018 – „Macht-Bildung-Propaganda“

Der Täterspurenmahngang findet dieses Jahr unter dem Motto „Macht-Bildung-Propaganda“ statt. Auch in diesem Jahr freuen wir uns sehr über die Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Dresden.

Datum: 10.2.2018

Zeitpunkt: 14 Uhr

Starpunkt: Fiedlerstraße Ecke Mildred-Scheel-Straße (Nähe Uniklinikum)

Stationen:

1 – Fiedler-Straße Ecke Mildred-Scheel-Straße – NS-Schwesternschule

Einbinden der Schwesternschaft in die NS Struktur

2 – Pfotenhauer Straße  – Beratungsstelle für Erb- und Rassenpflege

Reinheit der Rasse als Dienst am Volk

3 – Waldschlößchenbrücke – Sportplatz

Sportpolitik als Mittel der rassistischen Überlegenheit und Erziehung zu rücksichtslosen Kämpfern

3-1 – Blumenstraße – Tanz- uns Vereinslokal „Blumensäule“

724 polnischen Juden wurden in Abschiebehaft eingesperrt und sollten danach nach Beuthen transportiertwerden

4 – Käthe-Kollwitz-Ufer – Jägerkaserne

Einschwören auf Gott und Hitler zu unbedingten Gehorsam und Rücksichtlosigkeit

5 – Berufsschule Gerokstraße – Horst-Wessel-Schule

Ideologisierung der Ausbildung und militärische Disziplinierung

7 – Güntzstraße – Akademie für Kunstgewerbe

Ideologisierung der Kunst zu Propaganda Zwecken

8 – Silbermannstraße – Dürerschule

Umwandlung Reformschule in Deutsche Oberschule

9 – Marschner-Straße – Mädchenbildungsanstalt

Frauenschule mit der Orientierung als Hausfrau und Mutter

 

 

 

 

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+++ 13.02. steht vor der Tür +++ Mahngang Täterspuren und Demotraining +++

Der Januar ist fast vorbei und der Februar naht. Langsam starten wir in die heiße Phase rund um den 13. Februar 2018. Auch wenn es uns mit eurer Hilfe gelungen ist, die großen Naziaufmärsche in Dresden zu stoppen und Naziaktivitäten zeitlich und räumlich eher an den Rand zu verschieben, ist auch dieses Jahr mit Versuchen alter und neuer Nazis zu rechnen, propagandistische Aktionen durchzuführen. In Zeiten des Rechtsrucks gilt es da entschieden gegen zu steuern.

Als Auftakt gab es letzte Woche eine Filmvorführung in Kooperation mit der Gruppe WHAT – StuRa TUD. Ebenso wird es am kommenden Samstag noch ein Demotraining im Malobeo geben.

Seit 2012 führen wir auch jährlich den Mahngang Täterspuren durch, um einen Kontrapunkt im Gedenk- und Erinnerungsdiskurs der Stadt Dresden zu setzen. Der diesjährige Mahngang steht unter dem Titel „Macht – Bildung – Propaganda“ im faschistischen Dresden während der NS-Zeit.

Wir freuen uns dabei – wie auch im letzten Jahr – über die Unterstützung durch die EHS Dresden (Evangelische Hochschule Dresden). Alle Stationen und Texte sind im Rahmen eines Studium Generale an der Hochschule mit Studierenden der EHS entstanden.

Alle weiteren Infos rund um das Dmeonstrationsgeschehen am 13.2. folgen bald. Also checkt regelmäßig unsere Kanäle. Wir sehen uns im Februar auf der Straße!

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Dresden – die braune Bedrohung

Unser Redebeitrag zur Demonstration „Gegen den Rechtsruck in Europa“ am 6.5.:
Dresden – die braune Bedrohung 
Frühjahr 2017. Eine von Rassist/innen und Faschist/innen geführte Partei will ihren Parteitag abhalten. Doch anstatt die braunen Mächte walten zu lassen, regt sich von Beginn an Widerstand. Nicht nur lokal sondern aus allen Teilen der Republik eilen Menschen herbei, um ihren Unmut kund zu tun. Die verschiedenen Spektren – von Antifa bis Karnevalsverein – schaffen es gemeinsam, über 20.000 Menschen auf die Strasse zu bringen und dem braunen Gedankengut entgegen zu treten.
Nein, das ist nicht in einer fremden Galaxie geschehen, sondern vor 2 Wochen in Köln. Die komplette Zivilgesellschaft der Stadt ist aufgestanden und hat sich gegen die AfD, die gern als parlamentarischer Arm der neuen Rechten bezeichnet wird, gestellt. Da wurde im Vorfeld eine Kampagne in Kneipen und Bars gefahren, Teilnehmer/innen des AfDParteitags nicht mal ein Kölsch auszuschenken. Da drucken sich Taxifahrer Fotos von AfDlern aus, weil sie diese nicht als Kunden befördern wollen. Gleichzeitig klopfen sie Aktivist/innen auf die Schulter nach dem Motto: ‚Wir wissen warum ihr da seid. Wir finden das super.‘ So sieht breiter zivilgesellschaftlicher Protest aus.
Auf der anderen Seite der Republik das sogenannte ‚Tal der Ahnungslosen‘.
Wir schreiben das Jahr 1998. Damals formierte sich der erste Trauermarsch zum 13. FEBRUAR der in den folgenden Jahren zum grössten Neonaziaufmarsch Europas anwachsen sollte. Und während Jahr für Jahr Nazis durch Dresden zogen, lässt sich der Widerstand der Zivilbevölkerung recht einfach beschreiben: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Nur durch die Intervention bundesweiter Strukturen gelang es, diesem Treiben durch zivilen Ungehorsam Einhalt zu gebieten. Menschen setzten sich jahrlang der Willkür von Polizei und Justiz aus – nur um im Nachhinein vonseiten der Politik hören zu müssen, dass die jährliche Menschenkette Nazi-Aufmärsche verhindert hätte. Was für ein Hohn auf KOsten der Betroffenen.
 
Das Ausblenden von Tatsachen und Verschleiern von Problemen hat in Dresden und Sachsen System.
Selbst als die NPD 2004 in den Landtag einzog, war keine Gegenwehr oder zumindest eine Abgrenzung gegenüber dem braunen Mob zu erkennen. In Dresden begnügte man sich damit, von nichts zu wissen. Und im Landtag schwor sich der heutige Landtagspräsident Rößler auf Heimat und Patriotismus ein und diagnositizierte, dass man in Sachsen wieder ’nationale Wallungen‘ bräuchte. Statt klare Kante gegen Rechts – Anbiederung an Nazis. 
Die Ergebnisse dieser Strategie können wir gerade in der jetzigen Zeit spüren. Von den letzten 2,5 Jahren brauche ich den meisten hier nichts zu erzähle. So wurde neben den sächsischen Provinzen auch Teile Dresdens zu NoGoZonen für alternativ oder nicht-biodeutsch aussehende Menschen. Sachsen führt, auf die Einwohnerzahl gesehen, die Statistik mit den  meisten Angriffen auf Flüchtlingsheimen an und ist zum Inbegriff von ‚Dunkeldeutschland‘ mutiert.  
So braucht es auch es nicht zu wundern, dass sich ein Bündnis von Rassist/innen aus verschiedenen Ländern heute hier in Sachsen, in Dresden trifft, um einer Faschistin zu huldigen, die möglicherweise Frankreichs nächste Präsidentin werden könnte.
Als dies wäre reichtlich Grund zum Verzweifeln. Doch auch im Tal der Ahnungslosen gibt es Menschen, die sich auflehnen – auch wenn ihnen die Unterstützung breiter Teile der Zivilgesellschaft fehlt. Diese Menschen sind heute auf der Straße – und sie sind es auch sonst, wenn es darum geht zu zeigen, dass Rassismus und Menschenfeindlichkeit keinen Platz in der Öffentlichkeit verdienen. 
Dresden hat keinen Dom, Dresden hat keinen Rhein. Dresden hat nur die Elbe, ein paar Brücken und einen Oberbürgermeister, der sich duckt, wann immer es darum geht, Gesicht zu zeigen. Statt einer engagierten Zivilgesellschaft haben wir Besorgte Bürger, die Bratpfannen auf Kunstinstallationen werfen. Doch gerade darum ist unser Protest notwendig. Denn anders als im Rest der Republik gilt in Dresden: Wer, wenn nicht wir?
In diesem Sinne: möge die Hoffnung mit uns sein. Denn wir sehen, es geht auch anders.
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Deutsche Christen

Gegenüber der Frauenkirche steht überlebensgroß ein Martin-Luther-Standbild auf seinem Sockel. In der Hand hält er eine Bibel, das Buch, das für ihn wichtig war, das er ins Deutsche übersetzt hat. Luther, ein Mensch mit bedeutenden Erkenntnissen und Irrtümern. Ein großer Mann, über die Jahrhunderte hinweg verehrt, in jeder Zeit mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Diese bronzene Skulptur, von Adolf von Donndorf entworfen, wurde 1885 an dieser Stelle errichtet, als der 400ste Geburtstag von Martin Luther gefeiert wurde. Damals war er längst zur Symbolgestalt des deutschen Nationalismus gemacht geworden. Mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 entwickelte sich der Nationalismus ungehemmt. Wer gehört zur Nation, wer gehört nicht dazu? Das Nationalbewusstsein stützte sich auf Überheblichkeit und auf Abgrenzung von denen, die nicht dazu gehören sollten. So erstarkte mit ihm der Antisemitismus, wie siamesische Zwillinge gehörten Nationalismus und Antisemitismus zusammen.

Das nationalistische Gedankengut, das nur die Volksgemeinschaft im Blick hatte, aber nicht den einzelnen Menschen in seiner Würde und Einmaligkeit, bahnte den Weg zur Bewegung der Deutschen Christen nach dem Wahlsieg Hitlers 1933. Diese Deutschen Christen wollten die Kirchen in ganz Deutschland neu organisieren als Teil der völkischen Bewegung, sie wollten die eigentliche Volkskirche sein. Damit missachteten sie die Grundlagen ihres eigenen Glaubens. In manchen Landeskirchen hatten sie damit Erfolg, so auch in Sachsen. Die sogenannte „braune Synode“ wählte im August 1933 Friedrich Coch, der NSDAP-Mitglied war und zur Bewegung der Deutschen Christen gehörte, zum sächsischen Landesbischof. Er führte sich am 10. Dezember 1933 in der Frauenkirche selbst ein. Während seiner Amtseinführung wehte oben auf der Kuppel der Kirche die Hakenkreuzfahne. Am selben Tag beschloss die Synode „28 Thesen der Sächsischen Volkskirche zum inneren Aufbau der Deutschen Evangelischen Kirche“. Darin heißt These 1: „Die Volkskirche bekennt sich zu Blut und Rasse, weil das Volk eine Blut- und Wesensgemeinschaft ist.“ Damit schloss sie sich dem totalitären Anspruch des nationalsozialistischen Staates und seiner Rassenideologie an und erklärte ihn als den Willen Gottes. Schon vorher, im September 1933 wurde im Staat und auch in der Sächsischen Landeskirche das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und damit der Arierparagraph eingeführt, Pfarrer jüdischer Herkunft und andere, die den Nationalsozialismus ablehnten, wurden nach und nach aus dem Amt gedrängt, beurlaubt, entlassen.

Was jedem Menschen mit seiner Taufe gilt, seit es Christen gibt, wurde verraten. Christen, die aufgrund der Rassengesetze als Juden zählten, verloren schrittweise jegliche Unterstützung durch weite Teile der Kirche. Spätestens seit Anfang 1934 wurden jüdische Taufanträge nicht mehr bearbeitet, am 22.2.1939 wurde die Aufnahme von Juden in die Landeskirche offiziell untersagt, Christen jüdischer Herkunft waren nicht mehr kirchensteuerpflichtig, Pfarrer waren zu Amtshandlungen an ihnen nicht mehr verpflichtet, kirchliche Räume durften dafür nicht mehr benutzt werden, am 17. Dezember 1941 wurden sie aus der  Landeskirche ausgeschlossen.

Als Deutschland aus dem Völkerbund austrat, erklärte die sächsische Kirchenleitung dazu: „Lutherischer Geist will in Freiheit wachsen. Er kann nicht in Knechtschaft gedeihen.“ Vertragsbeziehungen zwischen Völkern wurden also als belastende Einschränkung verstanden. Politische Schritte wurden religiös interpretiert.

Die Frauenkirche, ursprünglich errichtet als evangelisch-lutherische Bürgerkirche, erhielt am Reformationstag 1934 die Bezeichnung „Dom der Deutschen Christen“. Einzelne Pfarrer widersetzten sich der Ideologie der Deutschen Christen, so auch Hugo Hahn, der ab 1930 Pfarrer an der Frauenkirche war. Mit anderen Pfarrern engagierte er sich ab 1933 im Pfarrernotbund, später in der Bekennenden Kirche. Dafür wurde Hugo Hahn beurlaubt und 1938 wegen seines Widerstands aus Sachsen ausgewiesen. In der Frauenkirche jedoch wurde von deutsch-christlichen Pfarrern in ideologischer Verblendung gepredigt.

Der Nationalismus ist bis heute ebenso verlockend wie gefährlich. Auch Christen finden sich in nationalistischen Bewegungen, auch hier in Dresden, sie ignorieren dabei, dass das Christentum die Gleichheit aller Menschen lehrt.

„Den anderen nur als den anderen wahrzunehmen, ist der Beginn von Gewalt“, so formulierte es Ilija Trojanow am 29.1. 17 im Schauspielhaus in seiner Dresdner Rede. Wer sich nur in seiner Gruppe stark fühlt und auf andere herabblickt, die anders leben, anders glauben oder woanders her sind, der vergisst die Nächstenliebe, widerspricht der christlichen Lehre, lässt sich verführen zu Hass und Menschenfeindlichkeit. Ein wirksames Mittel dagegen wäre die Aufmerksamkeit für die Menschen in Not. Wichtig ist es, im andern zuerst den Menschen zu sehen.

 

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„Nichts gegen Dresden, aber …“ – Mahngang Täterspuren 2017

Der Mahngang Täterspuren war in diesem Jahr ein Teil der Kampagne des Bündnisses „Nazifrei! – Dresden stellt sich quer“. In der Kampagne wollen wir zeigen, dass Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung in Dresden eine besonders gefährliche Entwicklung genommen haben und dass die Stadtgesellschaft dem nach wie vor nicht entschlossen genug entgegenwirkt.

Unsere Recherchen zu den Dresdner Täter*innen des Nationalsozialismus haben gezeigt, wie der Gedanke der Ungleichwertigkeit von Menschen zum industriellen Massenmord führen kann. Der 13. Februar ist für uns deshalb Anlass, ein weiteres Mal öffentlich zu machen, was geschehen kann, wenn Rassist*innen nicht genug Gegenwind und Ablehnung erfahren. Wie gefährlich der Mythos der vermeintlichen Opferrolle Dresdens als „unschuldige Kunst- und Kulturstadt“ ist, zeigt sich daran, wie anschlussfähig er bis heute ist. Damit werden die Täter*innen zu Opfern und die Geschichte wird verfälscht.

Wir haben in den letzten Mahngängen gezeigt, dass Dresden eine wichtige Stadt im faschistischen Deutschland war und der Mythos eine Lüge ist. Trotzdem ist dieser heute noch in vielen Köpfen und bietet den Rassist*innen und Nazis von heute die Grundlage für ihre Geschichtsverfälschung.

In diesem Jahr haben Studierende der Evangelischen Hochschule den Mahngang erarbeitet. Dafür danken wir ganz herzlich.

Wie in jedem Jahr, so werden auch heute Schauspieler*innen unsere Texte lesen, in denen die Rolle Dresdens im NS Staat deutlich wird. Damit wird auch deutlich, dass die Dresdner Theaterschaffenden unser Anliegen teilen. Besonders das Staatschauspiel Dresden hat mit seinen Inszenierungen und Aktionen in der letzten und aktuellen Spielzeit deutlich Position bezogen. 

Nun ist es an uns allen, der Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung entschlossener als bisher entgegen zu wirken und gemeinsam zu handeln.

14:15 Uhr Station 1: Wettiner Platz – Haus der Presse/Bücherverbrennung

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Theaterstraße – Gesundheitspolizei und Gesundheitsbehörde

An dieser Stelle befanden sich im städtischen Gebäude Theaterstraße die Gesundheitspolizei der Stadt Dresden, die Gesundheitsbehörde und die Abteilung Erb- und Rassenpflege. Hier wurde über die Ehetauglichkeit eines angehenden Paares entschieden.

Im nationalsozialistischen Deutschland durften nach dem Ehegesundheitsgesetz Ehen nicht geschlossen werden, wenn einer der Verlobten „an einer mit Ansteckungsgefahr verbundenen Krankheit oder an eine geistigen Störung litt oder eine Erbkrankheit im Sinne des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vorlag.“ Eine Ehe sollte für die Volksgemeinschaft wünschenswert sein, ansonsten hatte sie keine Berechtigung. Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14.Juli 1933 schloss dabei neben Schizophrenie, sogenannten „angeboren Schwachsinn“ und bipolaren Störungen auch Epilepsie, die Huntington-Krankheit, erbliche Blind- und Taubheit sowie körperliche Missbildungen ein. Das Gesetz lieferte die juristische Grundlage für die Zwangssterilisation von etwa 400.000 Männer und Frauen mit vermeintlichen erblichen Krankheiten. Dabei kamen 6.000 Menschen zu Tode.

Begleitet wurde die Einführung des Gesetzes von der Gleichschaltung der deutschen Ärzteschaft. Mit Hilfe des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurden an wichtigen Stellen besonders linientreue und mit der Rassenhygiene besonders vertraute Ärzte eingesetzt.

Heinrich Eufinger, seit 1933 Mitglied der SA und NSDAP, ab 1935 auch in der SS, war einer dieser Ärzte. Ein Arzt, der von den rassenhygienischen Theorien des Nationalsozialismus überzeugt war und diese mit gestaltete und ausführte. Im Laufe seiner Karriere stieg er bis zum SS-Obersturmbannführer auf, erhielt mehrere Auszeichnungen und trug diese mit Stolz zur Schau.

Zwischen 1937 und 1945 war Eufinger Chefarzt in der gynäkologischen Abteilung des Friedrichstädter Krankhauses. Dieses gehörte ab 1933 zu den ersten Kliniken in Dresden, die die Berechtigung zur Zwangssterilisation für Frauen erhielten. Unter der Leitung Eufingers wurden insgesamt 708 Frauen zwangssterilisiert. Obwohl die Unterlagen unvollständigen sind, lag Dresden in Ausmaß und Anzahl immer mit an der Spitze bei der Durchführung der Zwangssterilisationen im Reichsgebiet.

Bis zum Ende des Krieges blieb Eufinger Chefarzt in der Frauenklinik Friedrichstadt und ist somit Hauptverantwortlicher der dort stattgefundenen Zwangsterilisationen. Aufgrund seiner SS-Zugehörigkeit kam er von November 1945 bis 1948 in Internierungshaft ins Lager Mühlberg, etwa 25km nördlich von Riesa. Dort erhielt er den Posten des Hauptarztes. Durch sein ärztliches Können genoss er hohes Ansehen bei den Besatzer*innen, was ihn später vor einer Verurteilung als Naziverbrecher schützte. So konnte er später unbehelligt in seiner Villa auf der Wiener Straße weiterleben und seine Karriere als angesehener Arzt wieder aufnehmen. Eufinger erhielt 1953 die Auszeichnung zum „Verdienten Arzt des Volkes“, trotz seiner NSDAP, SA und SS Mitgliedschaft sowie die Verantwortung über die Zwangssterilisation von 700 Frauen in Dresden.

Als seine Ernennung zum außerplanmäßigen Professor an der Medizinischen Akademie Dresden scheiterte, siedelte die Familie Eufinger 1956 nach Wilhelmshaven über. Am 1. Januar 1957 wurde Eufinger Chefarzt der Frauenklinik Sanderbusch bei Oldenburg. Bis zu seinem Tod im Jahr 1988 war Eufinger ein angesehener Arzt, der sich nie für seine Verbrechen verantworten musste.

Auch andere wichtige Protagonist*innen der sogenannten Rassenhygiene mussten sich nie für ihre Verbrechen verantworten. So auch der ranghohe sächsische Ministerialbeamte und somit maßgebliche Organisator der nationalsozialistischen Krankenmorde Alfred Fernholz. Dieser trieb die Ausgrenzung und Ermordung von als lebensunwert stigmatisierte Psychatriepatient*innen und Menschen mit Behinderung zwischen 1939 und 1945 ideologisch und organisatorisch voran. Dabei trug er maßgeblich zur Ermordung von 700 Dresdner Bürger*innen bei, die ihr Leben verloren, weil sie psychisch krank oder behindert waren. Er war maßgeblich an der Aktion T4 beteiligt, so versuchte seine Abteilung die Gas-Morde an Psychiatriepatient*innen zu befördern in dem die Todestransporte zum Sonnenstein in Pirna intensiviert werden sollten. Nach der Einstellung der Gasmorde im August 1941 beförderte er und leitende Mitarbeiter seiner Abteilung, die Fortführung mit anderen Mitteln. So wurden die Krankenmorde ab diesen Zeitpunkt durch Medikamente und systematischem Nahrungsentzug weitergeführt.

Insgesamt wurden in der Zeit von 1939-1945 in Deutschland 200.000 wehrlose Menschen, durch die „Aktion-T4“ umgebracht. Ihre Leben wurden als „lebensunwert“ bezeichnet, ihre Ermordung nannte man „Euthanasie“. Die Täter*innen waren Wissenschaftler*innen, Ärzte, Pfleger*innen und Angehörige der Polizei. Die Opfer waren hilfebedürftig, arm, verzweifelt oder aufsässig. Verwaltungsangestellte befanden über die Daseinsberechtigung von Menschen.

Die Zahl der Opfer ist groß, gering die Zahl der verurteilten Täter.

Umso wichtiger ist es, an die oftmals vergessenen Opfer zu erinnern, die Orte der Verbrechen offenzulegen und sozialdarwinistische und sozialchauvinistischste Ideen in der Gegenwart zu bekämpfen.

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